Altherren auf großer Fahrt – 49 Kilometer zwischen Frühstück, Pils und Torwandschießen
von Matthias Betz
Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit: Die Altherrenabteilung des SC Altenrheine hatte zur gemeinsamen Fahrradtour geladen.
Treffpunkt war um 9.30 Uhr am Altenrheiner Sportplatz. Also zu einer Uhrzeit, zu der normale Menschen am Wochenende noch darüber nachdenken, ob sie überhaupt aufstehen sollen. Die Altherren waren da schon einen Schritt weiter. Sie saßen beim gemeinsamen Frühstück.
Eine solide Grundlage ist wichtig. Das weiß jeder, der Sport treibt. Oder zumindest vorhat, später behaupten zu können, Sport getrieben zu haben.
Nach dem Frühstück wurde dann das erste Bier eingenommen. Man muss schließlich auf seinen Flüssigkeitshaushalt achten. Und da parallel die F-Jugend spielte, konnte man dabei sogar noch Fußball schauen. Im Grunde also bereits ein komplett gelungener Samstag und das vor 10.30 Uhr.
Um Punkt 10.30 Uhr setzte sich die Gruppe dann tatsächlich in Bewegung.
Etwa 95 Prozent der Teilnehmer waren mit E-Bikes unterwegs. Zwei oder drei besonders naturverbundene Kameraden hatten sich dagegen für sogenannte „Öko-Bikes" entschieden. Früher sagte man dazu Fahrrad. Also diese Dinger, bei denen man selbst treten muss und der Akku überraschenderweise auch nach 80 Kilometern noch bei 100 Prozent steht.
Die Stimmung war hervorragend, die Beine frisch und die Akkus überwiegend voll.
Erster Halt: Flüssigkeitskontrolle in der Mehringer Heide
Bereits gegen 11.30 Uhr erreichte die Gruppe den Swinggolfplatz in der Mehringer Heide.
Nach einer ganzen Stunde auf dem Fahrrad war klar: Jetzt durfte kein Risiko eingegangen werden.
Dehydrierung ist ein ernstes Thema.
Also wurde vorsichtshalber eine Runde erfrischendes Bier getrunken.
Swinggolf wurde meines Wissens nicht gespielt. Wäre auch unnötig gewesen. Schließlich bestand noch eine Strecke vor uns, und man muss als Altherrenabteilung seine Kräfte vernünftig einteilen. Man kann nicht gleichzeitig Fahrrad fahren, Bier trinken UND noch einen Ball mit einem Schläger durch die Heide prügeln.
Irgendwann ist auch mal gut.
Nach erfolgreicher Flüssigkeitsaufnahme ging es weiter Richtung Lünne.
Brauhaus Lünne – reine Regeneration
Gegen 13.00 Uhr erreichte die Reisegruppe das Brauhaus in Lünne.
Ein bemerkenswerter Zufall bei der Streckenplanung.
Von allen Gebäuden, Plätzen und Sehenswürdigkeiten im südlichen Emsland führte die Route ausgerechnet zu einem Brauhaus.
Da kann man nichts machen.
Und weil verantwortungsbewusste Sportler nach einer längeren Belastung ihre Speicher wieder auffüllen müssen, gab es dort weiteres erfrischendes Pils.
Elektrolyte. Mineralstoffe. Gerste.
Irgendwas wird schon drin sein.
Nach entsprechender Regeneration wurde schließlich die Rückfahrt zum Altenrheiner Sportplatz angetreten.
Jetzt zeigte sich allerdings eine erste Veränderung im Reiseablauf.
Die Pinkelpausen wurden häufiger.
Das war aber sicherlich ausschließlich der zunehmenden sportlichen Belastung geschuldet und hatte mit den bisher gereichten Getränken überhaupt nichts zu tun.
Vermutlich.
Die nackten Zahlen
Um 15.15 Uhr rollte die Reisegruppe wieder auf dem Sportplatz ein.
Die offizielle Leistungsbilanz der Tour kann sich durchaus sehen lassen:
49 Kilometer Strecke.
2 Stunden, 41 Minuten und 45 Sekunden reine Fahrzeit.
119 Höhenmeter bergauf.
18,2 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.
119 Höhenmeter!
Für unsere Region praktisch Hochgebirge.
Über die durchschnittliche Anzahl der Pinkelstopps pro Kilometer liegen leider keine verlässlichen Messdaten vor. Hier besteht für die Fahrradtour 2027 noch Optimierungsbedarf bei der Datenerfassung.
Nach dem Sport ist vor dem Kotelett
Kaum waren die Fahrräder abgestellt, wurde am Sportplatz der Grill angefeuert.
Auf dem Programm stand Kotelettstrang.
Und zwar nicht einfach irgendwie auf den Rost gelegt. Nein. Das gute Stück durfte sich drehend seiner Vollendung nähern.
So muss das.
Während das Fleisch langsam seine Runden drehte, näherte sich außerdem ein weiterer Höhepunkt des Tages.
15.30 Uhr.
Bundesliga.
Pünktlich zur besten Fußballzeit des Wochenendes erschien Ex-Obmann Lui Brüning und brachte einen Fernseher mit.
Wobei „Fernseher" nur technisch korrekt ist.
Von der Größe her bewegte sich das Gerät allerdings irgendwo zwischen „größerem Navigationsgerät" und „digitalem Bilderrahmen".
Gefühlte Bildschirmdiagonale: 30 Zentimeter.
Für eine Bundesliga-Konferenz mit mehreren gleichzeitig stattfindenden Spielen war das natürlich optimal.
Wer direkt davor saß, konnte vermutlich sogar den Ball erkennen.
Die hinteren Reihen orientierten sich einfach am Ton.
Der Kampf um die wichtigste Trophäe des Tages
Während Bundesliga lief, Bier gereicht wurde und der Kotelettstrang weiter majestätisch seine Kreise zog, stand außerdem die Ermittlung des diesjährigen Schützenkönigs an der Torwand an.
Titelverteidiger Pete Wipperführt ließ am Rande beiläufig verlauten, dass er die Siegerplakette aus dem Vorjahr inzwischen im Falkenhofmuseum habe ausstellen lassen.
Wo auch sonst.
Zwischen historischen Exponaten, regionaler Kulturgeschichte und wahrscheinlich irgendwelchen jahrhundertealten Fundstücken befindet sich jetzt also vermutlich irgendwo die Torwand-Plakette der Alten Herren.
So weit, so gut.
Damit hatte auch niemand ein Problem.
Denn gegen ungefähr 19.38 Uhr stand fest:
Pete hatte seinen Titel verteidigt.
Und damit kann er mit seiner Plakette weiterhin machen, was er möchte.
Er kann sie ins Falkenhofmuseum bringen.
Er kann sie ins Wohnzimmer hängen.
Er kann sie nachts neben das Bett legen.
Das ist jetzt seine Sache.
Wer zweimal hintereinander Schützenkönig der Altherren-Torwand wird, dem stehen gesellschaftlich gewisse Freiheiten zu.
Ein sportlich wertvoller Abschluss
Nach diversen weiteren Kaltgetränken, leckerem Kotelettstrang und vielen fachlich hochwertigen Gesprächen klang der Abend schließlich am Altenrheiner Sportplatz aus.
Am Ende standen 49 gefahrene Kilometer, 119 bezwungene Höhenmeter, mehrere Versorgungsstationen, eine Bundesliga-Konferenz auf einem Fernseher im Taschenformat und ein alter wie neuer Torwand-Schützenkönig.
Man kann also durchaus von einer gelungenen Teambuildingmaßnahme sprechen.
Die Altherrenabteilung hofft nun, dass sich der neu gewonnene Teamgeist auch auf die kommenden Spiele übertragen lässt.
Denn wenn die Mannschaft auf dem Platz künftig genauso zuverlässig zusammenspielt wie bei der Organisation von Fahrradtour, Bierpausen und Kotelettstrang, dürften weiteren Siegen eigentlich nicht mehr allzu viele Dinge im Wege stehen.
Außer vielleicht 119 Höhenmeter.
Aber die haben wir jetzt ja hinter uns.

















