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Team Senioren

Erst ohne Hose, dann ohne Punkte – Ü32 des SCA verzweifelt in Reckenfeld

17. März 2026

Von Matthias Betz

Wenn man dieses Spiel in Worte fassen will, dann muss man eigentlich schon vor dem Anpfiff beginnen,denn selbst das Drumherum hatte an diesem Abend seine ganz eigene Geschichte. Gerade einmal zwei Anhänger des SC Altenrheine hatten den Weg nach Reckenfeld gefunden: Peter Achterberg und Jan Wortmann. Eine treue, aber doch sehr überschaubare Kulisse, das ist, vorsichtig formuliert, ausbaufähig.

Und auch neben dem Platz lief nicht alles nach Plan: Der neue Obmann Dennis Knips ließ ebenfalls auf sich warten. Schuld daran, so munkelt man, war das kaum zu durchquerende Emsdetten zu dieser Uhrzeit. Zeitweise hatte man fast den Eindruck, man stehe nicht im Kreis Steinfurt, sondern mitten im Berufsverkehr auf der A42. Kreispokal kann eben auch logistische Höchstleistung sein.
An der Seitenlinie bot sich ebenfalls ein denkwürdiges Bild: Trainer Sascha Bernsmeier setzte modisch ein kleines Ausrufezeichen, denn der Reißverschluss seiner Trainingshose hatte den Dienst quittiert und wurde kurzerhand mit einer Sicherheitsnadel zusammengehalten. Pragmatisch, kreativ und irgendwie sinnbildlich für den ganzen Abend.
Dann aber: 16. März 2026, Flutlicht in Reckenfeld, die Ü32 im Kreispokal, und ja, es ging um richtig was. Der Weg ins Final Four: greifbar. Ein Sieg beim SC Reckenfeld, und man hätte sich eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet. Man hatte seine Hausaufgaben gemacht, Gellendorf geschlagen, während Reckenfeld dort nur remis spielte. Ochtrup noch ohne Einsatz. Die Bühne war bereitet, eigentlich eine dieser Nächte, in denen man Geschichte schreiben kann.
Und dann beginnt dieses Spiel schon wie ein kleines Kuriositätenkabinett: Sven Sandmann, eine Minute vor Anpfiff erst auf dem Platz, ohne Trikot, ohne Hose. Das ist kein Versprecher, das ist Kreispokal-Romantik pur! Zwischen Kabine und Spielfeld wird sich im Sprint umgezogen, Trainer Sascha Bernsmeier liefert höchstpersönlich das Trikot, frisch unter dem Pullover hervorgezaubert. Wenn du so reinkommst, dann weißt du: Heute kann alles passieren. Und genau dieses Gefühl zieht sich durch die gesamten 70 Minuten.
Das Flutlicht brennt, es dämmert, und genauso verschwommen ist zunächst auch das Spiel. Viele Fehlpässe, wenig Struktur, auf beiden Seiten. Vielleicht lag's wirklich an den schwer unterscheidbaren Trikots, erst nach zwölf Minuten gibt's Leibchen. Und dann wird's plötzlich gefährlich: Ecke Reckenfeld, Latte! Das erste Ausrufezeichen.
Man merkt früh: Altenrheine hat Probleme. Die Dreierkette wackelt, Bernsmeier und Deblaere reagieren noch nicht. Und hinten häufen sich die Fehler. Immer wieder tauchen Reckenfelder Stürmer frei vor Tobi Reekers auf. Aber was der Keeper da zeigt, ist schlicht überragend. Mehrfach hält er seine Mannschaft im Spiel, rettet in Minute 20, rettet in Minute 25 gleich doppelt. Ohne ihn, das Ding wäre früh entschieden gewesen.
Und offensiv? Da blitzt es nur auf. Andre Paschke mit einem starken Lauf, Flanke auf Kai Sandmann, gehalten. Kurz darauf Freistoß, wieder Sandmann, wieder der Keeper. Ecke, Rozmiarek drüber. Chancen da, aber nicht zwingend genug, nicht mit der letzten Konsequenz. Man hat das Gefühl: Da geht was, aber man packt es nicht richtig an.
Dann Minute 34. Und es passt ins Bild: wieder ein individueller Fehler, wieder Unordnung in der Defensive. 1:0 für Reckenfeld. Reekers diesmal ohne Chance. Ein Nackenschlag zu einem Zeitpunkt, an dem das Spiel eigentlich völlig offen war.
Und jetzt kommt eine Komponente rein, die diesem Spiel zunehmend die Kontrolle entzieht: der Ton auf dem Platz. Beleidigungen, Provokationen, ein Spieler besonders auffällig. Und der Schiedsrichter? Lässt laufen. Viel zu lange. Das Spiel kippt emotional, ohne dass es sportlich entschieden wäre.
Altenrheine versucht zu antworten. Kai Sandmann umkurvt sogar den Keeper, aber der Winkel wird zu spitz. Halbzeit. Man geht mit dem Gefühl in die Kabine, dass hier noch alles drin ist, wenn man es sauberer zu Ende spielt.
Umstellung auf Viererkette, Björn Reinhold kommt. Und Altenrheine wird besser. Direkt nach Wiederanpfiff fast der Ausgleich: Freistoß Kai Sandmann, der Ball rutscht dem Torwart durch die Hände... und kullert knapp vorbei. Das wäre es gewesen! Das sind diese Momente, die so ein Spiel kippen können.
Doch statt Fußball rückt zunehmend etwas anderes in den Vordergrund: Diskussionen, Nickligkeiten, hitzige Szenen. Ein klarer Elfmeter an Paschke? Nicht gegeben. VAR? Natürlich nicht vorhanden. Willkommen im Kreispokal, wo Emotionen manchmal schneller eskalieren als das Spiel selbst.
Die Gelbe Karte für den lautstarken Reckenfelder kommt spät, viel zu spät. Altenrheine ist jetzt dran, ist besser im Spiel, aber im letzten Drittel fehlt die Präzision. Immer wieder ein Haken zu viel, ein Pass zu ungenau. Man spielt sich in gute Räume, aber nicht in klare Abschlüsse.
Und trotzdem: Chancen! Reinhold mit einem Fallrückzieher, daneben. Wipperfürth steckt durch auf Turat, knapp vorbei. Es liegt in der Luft, es riecht nach Ausgleich. Doch genau in dieser Phase fehlt die Kaltschnäuzigkeit, die so ein Pokalspiel entscheidet.
Dann Minute 73. Und sie steht sinnbildlich für diesen Abend. Angriff Reckenfeld, der Stürmer setzt sich durch, klarer Arm im Gesicht von Sven Sandmann. Ein Foul, das eigentlich jeder sieht. Außer der Schiedsrichter. Das Spiel läuft weiter, der Ball ist drin: 2:0. Das ist nicht nur ein Tor, das ist ein Wirkungstreffer, sportlich und emotional.
Die letzten Minuten laufen aus, Altenrheine versucht es weiter, aber man merkt: Der Glaube wird kleiner, die Zeit läuft davon. Und dann ist Schluss.
Abpfiff. Und wenn man ehrlich ist: Dieses Ergebnis erzählt nicht die Geschichte dieses Spiels. Ein Unentschieden wäre mindestens verdient gewesen. Vielleicht sogar ein wildes 3:3 – es hätte zu diesem Abend gepasst. Es war kein Klassenunterschied, es war ein Spiel, das durch Details entschieden wurde und durch Entscheidungen.
Was bleibt?
Ein überragender Tobi Reekers.
Ein SC Altenrheine, der sich durch eigene Fehler und fehlende Konsequenz um den Lohn bringt.
Und ein Gegner, der fußballerisch gut, aber im Auftreten mehr als grenzwertig war, was selbst nach Abpfiff ein Offizieller des SC Reckenfeld mit einer Entschuldigung für das Verhalten seiner Mannschaft einräumt.
Und vielleicht bleibt auch noch etwas anderes: dieses typische Gefühl im Amateurfußball, wenn du weißt, dass mehr drin war – viel mehr.
Die Ausgangslage hat sich gedreht. Jetzt ist man auf Schützenhilfe angewiesen. Und eines ist klar: Beim Heimspiel am 14. April gegen den FSV Ochtrup gibt es keine Ausreden mehr. Das ist ein Endspiel. Und vielleicht, ja vielleicht, schreibt genau dieses Team dann doch noch seine eigene Pokalgeschichte.